Leitbild

der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung e.V. (BAG)
Verein zur Förderung selbstständigen und selbstbestimmten Wohnens

 

 

Vision

 

Alle Menschen haben die Möglichkeit – unabhängig von Alter und Behinderung – in der ei­genen Wohnung zu leben. Sie werden bei der Anpassung der Wohnung an ihre Bedürfnisse unterstützt oder finden eine geeignete Wohnung oder Wohnform. Wenn sie selbständig leben wollen, scheitert es nicht an der Wohnung!

 

 

Ziele

 

Zur Verwirklichung dieser Vision verfolgt die BAG Wohnungsanpassung folgende Ziele:

 

Flächendeckende, bundesweite Verbreitung von Beratungsangeboten zur Wohnungs­anpassung und zum selbstbestimmten Wohnen

Damit alle Menschen – unabhängig von Alter und Behinderung – eine umfassende Beratung zur Wohnungsanpassung und anderen Möglichkeiten des selbständigen und selbstbe­stimmten Wohnens in Anspruch nehmen können, setzt sich die BAG dafür ein, dass ent­sprechende Beratungsangebote bundesweit an jedem Ort zur Verfügung gestellt werden.

 

Förderung der Qualität der Beratung

Damit eine Wohnberatung den gewünschten Erfolg hat, müssen sowohl die Beratung als auch empfohlenen Maßnahmen qualifiziert und anbieterneutral durchgeführt werden. An­liegen der BAG ist es, die Qualität der Wohnberatung hinsichtlich der Beratungsinhalte und -methoden sowie der Vernetzung mit anderen Hilfeleistungen zu sichern und das hierfür not­wendige Expertenwissen bundesweit zu verbreiten. Wohnberatung ist interdisziplinär und professionsübergreifend. Ehrenamtliche Strukturen sind explizit einzubeziehen, zu stärken und gleichermaßen zu qualifizieren. Der Einsatz Ehrenamtlicher erfordert die Anbindung an hauptamtliche Strukturen.

 

Weiterentwicklung der Wohnungsanpassung

Die Möglichkeiten der Wohnungsanpassung entwickeln sich bezüglich der Produkte, Hilfs­mittel, technischer Lösungen und der Bautechnik ständig weiter. Anliegen der BAG ist es, solche Entwicklungen der individuellen Wohnungsanpassung und der strukturellen Anpas­sung des Wohnungsbestands zu fördern und dazu beizutragen, dass die Beratungsangebote vor Ort daran teilhaben.

 

Verbreitung des Barrierefreien Bauens bei Neubau und Umbau im Bestand

Viele Maßnahmen der Wohnungsanpassung könnten vermieden werden, wenn bei Neubau-, Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen von vornherein barrierefrei gebaut würde. Die BAG setzt sich dafür ein, dass Fachstellen auf Bundes- und Landesebene ebenso wie die örtlichen Wohnberatungsstellen stärker als bisher in die Planung solcher Maßnahmen einbe­zogen werden.

 

Weiterentwicklung der Möglichkeiten zum selbstbestimmten Wohnen

Es gibt immer mehr Wohnformen, die unabhängig von Alter und Behinderung ein selbstän­diges und selbstbestimmtes Leben versprechen. Diese Wohnformen befinden sich in einem ständigen Prozess der Neu- und Weiterentwicklung, sodass es für die betroffenen Menschen schwer ist, sich am Markt zu orientieren und die richtige Wahl zu treffen. Die BAG will dazu beitragen, dass Wohnberater*innen nicht nur die Betroffenen selbst angemessen beraten können, sondern auch ihre Erfahrungen aus der Beratungsarbeit in die Konzeption neuer Wohnangebote einfließen lassen. Themenfelder wie Quartiersentwicklung, Inklusion, tech­nikunterstütztes Wohnen oder Wohnungsanpassung im Kontext dementieller Erkrankungen rücken verstärkt in den Fokus.

 

Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Chancen der Wohnungsanpassung und der Wohnberatung

Die Möglichkeiten und der Nutzen der Wohnungsanpassung und einer qualifizierten Wohn­beratung sind noch immer zu wenig bekannt. Anliegen der BAG ist es, dass sowohl die Be­troffenen und deren Angehörige als auch die Multiplikatoren und Entscheidungsträger besser über diese Chancen für das selbstständige und selbstbestimmte Wohnen informiert werden.

 

Verbesserung der finanziellen Rahmenbedingungen einer qualifizierten Wohnberatung

Eine qualifizierte Wohnberatung kann nur erfolgen, wenn sie finanziert ist. Erfahrungen zeigen, dass eine überwiegende Finanzierung durch die Betroffenen nicht tragfähig ist. An­liegen der BAG ist es, eine bundesweite Sicherung der Finanzierung von Wohnberatung zu erreichen.

 

 

Angestrebte Infrastruktur

 

Zur Umsetzung dieser Ziele hält die BAG folgende Infrastruktur für erforderlich:

 

Verankerung der Wohnungsanpassung und Wohnberatung in der Bundes- und Landespolitik

Um die Wohnberatung vor Ort und in den Ländern zu stärken, müssen die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen auf der Bundesebene verbessert werden. Die BAG setzt sich dafür ein, dass Wohnungsanpassung und Wohnberatung stärker in die Alten-, Behin­derten-, Gesundheits- und Wohnungspolitik integriert wird, und will die Zusammenarbeit mit den Bundes- und Landesregierungen und den parlamentarischen Gremien intensivieren. Sie kooperiert dazu mit den jeweiligen Landesarbeitsgemeinschaften und den regionalen Netz­werken der Wohnberatung.

 

Stärkung der Beratungsstrukturen in den Ländern und Kommunen

Ein barrierefreies Wohn- und Lebensumfeld, eine Vielfalt an Wohnformen sowie eine inklu­sive Quartiersentwicklung sind elementare Grundpfeiler einer tragenden sozialen und gene­rationengerechten räumlichen Infrastruktur. Dies impliziert eine wohnortnahe Beratung und Begleitung. Hier stehen die Kommunen in einer besonderen Verantwortung. Um Aufbau und Arbeit der örtlichen Wohnberatung zu unterstützen, ist eine Koordination und Qualifizierung in den einzelnen Bundesländern erforderlich. Erfahrungen zeigen, dass nur in den Ländern mit einer solchen Koordination eine gute lokale Beratungsstruktur entstehen konnte. Deshalb setzt sich die BAG dafür ein, dass in allen Bundesländern koordinierende Fachstellen einge­richtet bzw. ausgebaut werden, die den Aufbau eines flächendeckenden Beratungsnetzes unterstützen, die Qualität der örtlichen Wohnberatungen dauerhaft sichern und die Rahmen­bedingungen im Land und in den Kommunen verbessern helfen. Regionale Besonderheiten zwischen Stadt und ländlichem Raum sind zu berücksichtigen.

 

Qualifizierung von Wohnberatern und Wohnberaterinnen

Die Beratung zur Wohnungsanpassung erfordert Fachwissen aus verschiedenen Berufs­feldern. Solange es für diese Tätigkeit keine spezielle Ausbildung gibt, sieht es die BAG als wichtige Aufgabe, eigene Schulungen anzubieten, Arbeitshilfen bereitzustellen und den Er­fahrungsaustausch zu organisieren sowie kompetente Angebote anderer Institutionen zu unterstützen. Die BAG bietet Fortbildungen mit Zertifikat an und setzt sich für eine geregelte Ausbildung ein.

 

Stärkung der Qualitätsentwicklung

Zur Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität der Beratung und zum Leistungsnachweis gegenüber Finanzierungsträgern setzt sich die BAG dafür ein, die Aufgabenbereiche der Wohnberatung zu präzisieren und hierfür Qualitätsstandards zu entwickeln. Zudem strebt die BAG an, den Nutzen der Wohnberatung gegenüber Entscheidungs- und potenziellen Finan­zierungsträgern, für die in den Bereichen Pflege, Sozialleistungen und Wohnungswirtschaft Einsparungen durch die Wohnberatung entstehen, deutlicher zu machen und so deren Ak­zeptanz zu erhöhen, sich an einer geregelten Finanzierung zu beteiligen.

 

Ausbau und Stärkung von Bündnissen

Um eine größere politische Wirksamkeit zu erreichen, strebt die BAG eine stärkere Ver­netzung mit Verbänden und Organisationen an, die ähnliche Ziele verfolgen. Es sollen ins­besondere Bündnisse mit Verbraucher- und Betroffenenorganisationen geschlossen und die Kooperation mit Fachorganisationen sowie sozialen Finanzierungsträgern ausgebaut werden. Der Aufbau regionaler Netzwerke soll gefördert werden.

 

Information und Aufklärung der Betroffenen und der Öffentlichkeit

Um die Betroffenen, Bündnispartner, die Fachöffentlichkeit in Gesundheitswesen, Altenhilfe, Kranken- und Pflegekassen, Wohnungswirtschaft, Bauwirtschaft, Planer und Architekten, Kreditinstitute, Kommunen und Politik sowie die breite Öffentlichkeit über die Möglichkeiten der Wohnungsanpassung aufzuklären, ist eine intensive Öffentlichkeitsarbeit erforderlich. Die BAG sieht es deshalb als ihre Aufgabe, verstärkt durch Beiträge in öffentlichen Medien sowie durch Fachausstellungen, Informationsbroschüren usw. über das Thema zu informieren.

 

Ausbau der Geschäftsstelle der BAG

Die BAG versteht sich als die zentrale unabhängige bundesweite Dachorganisation und In­teressensvertretung, um die Themen Wohnungsanpassung, Barrierefreies Bauen und selbstbestimmtes Wohnen weiterzuentwickeln und zu fördern. Die Durchführung dieser bundesweiten Aufgaben bedarf einer kontinuierlichen, intensiven Arbeit, die in einer haupt­amtlich geführten Geschäftsstelle gebündelt ist.

 

 

Mitgliedschaft und Arbeitsweisen

 

Mitgliedschaft

Die BAG versteht sich als Zusammenschluss aller Akteure, die ehren- oder hauptamtlich in der Wohnberatung tätig sind oder die Wohnberatung fördern. In der BAG sind regionale Wohnberatungsangebote und Beratungsstellen ebenso organisiert wie Einzelpersonen und Institutionen, die die Weiterentwicklung des Themas unterstützen. Sie ist offen für alle Orga­nisationsformen der Wohnberatung, soweit sie mit den Qualitätsstandards der BAG überein­stimmen.

 

Haupt- und Ehrenamtlichkeit

Die Arbeit der BAG lebt von einer gelungenen Verknüpfung von ehrenamtlicher und haupt­amtlicher Mitarbeit. Neben der hauptamtlichen Geschäftsstelle werden viele Arbeitsbereiche der BAG vom ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder getragen. Dies betrifft vor allem das Zusammentragen und Verbreiten fachlicher Inhalte und die Diskussion über Qualitäts­standards in Wohnungsanpassung und Wohnberatung.

 

 

BAG Wohnungsanpassung e.V., Januar 2018